Interview mit Alexia Tsouri von Akademiker Fibel: „Kein Konsum schmeckt so gut, wie die finanzielle Unabhängigkeit“

Veröffentlicht am Kategorisiert in Finanzielle Freiheit & Coast FIRE

Die Finanzblogger-Szene ist so groß nun auch wieder nicht und gerade bei weiblichen Finanzbloggern wird es dann schnell noch übersichtlicher. Umso mehr freut es mich, ein Interview mit Alexia Tsouri zu veröffentlichen. Sie betreibt den Blog Akademiker Fibel, auf dem sie speziell Akademikern Tipps und Tricks an die Hand gibt, wie sie ihre Finanzen und ihren Berufseinstieg nach dem Studium gestalten können. Privat strebt sie die Finanzielle Freiheit an.

Zufälligerweise haben wir auch privat einige Parallelen: Bankausbildung, früher Konsumschulden, dann nach dem Studium Tätigkeit im Personalbereich. Und sie hat einen ganz wunderbaren Humor, das konnte ich bei unseren Telefonaten feststellen. Viel Spaß beim Lesen!

Alexia, du strebst für dich die Finanzielle Freiheit an, wie kam es dazu? 

Ich habe eine Ausbildung in einer Bank gemacht, dann das Thema Finance im Studium vertieft und momentan arbeite ich in der Personalentwicklung in der Finanzbranche.

Das Thema Geld und Finanzen hat mich schon immer angezogen, aber ich habe irgendwie Geld nie angezogen. Im Berufseinstieg 2018 hatte ich fast 10.000 Euro Konsumschulden, 35.000 € Studienschulden, ein Auto, welches ich mir nicht leisten konnte und eine ungesunde Beziehung zu Geld. Bei mir dauerte es drei Jahre, bis meine Finanzen aufgeräumt und meine Altersvorsorge aufgestellt war.

Bei der Arbeit mit mir selbst ist mir klar geworden, dass die deutsche Rentenversicherung eine Katastrophe für mich ist und ich nicht bis 67 im Angestelltenverhältnis arbeiten möchte. Daher war mein nächstes großes Projekt schnell gefunden, finanzielle Freiheit mit 55.

Wie definierst du für dich Finanzielle Freiheit? 

Finanzielle Freiheit bedeutet für mich, dass ich nicht mehr fremdbestimmt lebe. Ich entscheide wann, wie und von wo ich arbeite. Ich kann zwischendurch Urlaub machen, oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Hierfür möchte ich meine Konten so weit voll haben, dass ich alleine vom passiven Einkommen, wie Zinszahlungen leben kann.

Momentan bedeutet finanzielle Freiheit für mich, dass ich meinen Job jederzeit kündigen und mehrere Monate ohne Einkommen leben könnte. Allein die Tatsache, dass ich nicht mehr abhängig von diesem einen Einkommen bin, lässt mich nachts so ruhig schlafen, dass das Wort Freiheit eine völlig neue Bedeutung für mich bekommt.

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Wie sieht dein Plan aus, die Finanzielle Freiheit zu erreichen? 

Für mich ist wichtig, dass ich meine finanzielle Freiheit auf mehreren Einkommenssäulen stütze. Denn: sollte eine Quelle ausfallen, habe ich immer noch Zugriff auf die anderen Quellen und somit Planungssicherheit.

Mein aktuelles Einkommen beziehe ich aus drei Haupt-Quellen:

  • Gehalt im Angestelltenverhältnis
  • Nebenberufliche Jobs als Trainerin & Coach
  • Umsatzeinnahmen aus dem Finanzblog Akademiker Fibel (Bucheinnahmen, 1:1 Coachings, Kursverkäufe)

Viele gehen erst gar nicht über die 1. Quelle hinaus und machen sich komplett abhängig vom Gehalt. Und dementsprechend auch vom Arbeitgeber. Daher habe ich mir weitere Einnahmequellen geschaffen (oder bin in Planung). Konkret sind das:

  • Zinszahlungen & Dividendenauschüttungen
  • Umsatz aus dem Verkauf meiner Bachelor- & Masterabeit (ja, die kaufen tatsächlich Leute…haha…)
  • Mieteinnahmen (geplant für 2024)

Magst du uns einen Einblick in deine Investments geben? Was war dir wichtig bei der Zusammensetzung deines Portfolios?

Für meine Investments habe ich 2020 mit dem klassischen „Kommer Portfolio“ gestartet (Anmerkung von Mrs. Coasting to FIRE: Kommer bezieht sich auf Gerd Kommer). Hier investiere ich einen Teil in eine sichere Anlageform und einen Teil in Indexfonds (auch ETFs genannt).

2022 sind meine ersten Dividendenaktien dazugekommen. Da ich bis zu meinem Rentenziel noch 25 Jahre habe, konzentriere ich mich bei Dividendenaktien hauptsächlich auf Wachstumsaktien.

Bei Wachstumsaktien oder Growth-Aktien handelt es sich um Anteile von Unternehmen mit einem starken Wachstum. Dabei können diese Unternehmen in den Bereichen Umsatz, Marktanteil oder Gewinn wachsen. Hier verzichte ich in diesem Teil meines Lebens auf hohe Dividenden, sichere mir aber jetzt schon zukünftige Dividenden.

Was sollte man aus deiner Sicht auf jeden Fall vermeiden, wenn man die Finanzielle Freiheit erreichen möchte?

Vergleiche dich nicht mit anderen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir (z.B. durch Social Media) schnell neidisch auf andere werden könnten. Zum Beispiel: Alle in der Familie kaufen sich ein Haus. Viele Menschen haben durch die soziale Erwünschtheit ähnliche Wünsche, ohne diese zu hinterfragen. Aber auch ein Hauskauf kann uns unsere finanzielle Freiheit kosten.

Daher empfehle ich jedem, der finanzielle Freiheit leben möchte, zu hinterfragen, was ihn glücklich macht und wie das Leben nach Erreichen der finanziellen Freiheit aussehen soll.

Alexia, du betreibst einen Blog für die Finanzen von Akademikern nach dem Berufseinstieg. Wie bist du zu diesem spannenden Thema gekommen? 

Als ich mich mit meinen Finanzen auseinandergesetzt habe, bin ich wie alle in Corona gerutscht. Da mir klar war, dass ich irgendwann Unternehmerin sein möchte, habe ich mich während der Lockdowns hingesetzt und angefangen Blog-Beiträge zum Thema Finanzen für Akademiker zu schreiben.

Mit meiner jahrelangen Erfahrung in der Learningbranche, machte es mir somit viel Spaß mein Wissen weiterzugeben. Und als ehemalige Akademikerin im Berufseinstieg, kannte ich die Pain Points meiner Zielgruppe und habe diese in meinem Blog sichtbar gemacht.

Du schreibst auf deinem Blog, dass du nicht immer gut mit Geld umgehen konntest. Wie hast du es geschafft, einen anderen Umgang mit Geld zu erlernen und was würdest du jemandem empfehlen, denen es heute noch genauso geht?

Als ich im Studium ständig im Dispo war, schob ich es auf mein fehlendes Einkommen. Mein BaföG reichte vorne und hinten nicht und ich redete mir ein, dass alles besser wird, sobald ich im Beruf bin und mein eigenes Geld verdiene.

Doch als im Berufseinstieg das erste Einkommen eintrudelte, änderte sich nicht viel. Durch meine angehäuften Konsumschulden Ende 20 wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich nicht gut mit Geld umgehen konnte. Ich verstand, dass ich Geld ausgab, welches ich gar nicht besaß.

Mir kam schnell mir die Idee auf, in die örtliche Bibliothek zu gehen und dort zu recherchieren. Beim Lesen jeglicher Finanzliteratur habe mich hinterfragt, welchen Stellenwert ich dem lieben Geld in meinem Leben geben möchte und was mir Geld bedeutet.

Daher empfehle ich jeden, der was ändern möchte, sich hinzusetzen und zu lesen, lesen, lesen.

Einer deiner Slogans ist „Kein Konsum schmeckt so gut, wie die finanzielle Unabhängigkeit“. Kannst du kurz erläutern, was du damit meinst und warum das aus deiner Sicht so wichtig ist? 

Unser Gehirn ist darauf konditioniert, kurzfristige Freude vor langfristiger Freude zu stellen. So kam es, dass ich in der Vergangenheit oft dem Konsum Vorrang vor dem Sparen und Investieren gegeben habe.

Irgendwann entwickelte ich einen eigenen Slogan, der mich an meine Wünsche erinnern soll. Wann immer ich nun einen Schrott-Impulskauf machen möchte, erinnere ich mich an diesen Slogan, an meine Ziele und die Impulsivität verfliegt, wie im Flug.

Deine Buchtipps zum Thema Finanzen und Finanzielle Freiheit?

Ich habe schon 20-mal von Napoleon Hill „Denke nach und werde reich“ gelesen. Ich glaube fest daran, dass reiche Menschen bestimmte Gedanken, Einstellungen und Werte besitzen, die zum Reichtum führen. Um mein Mindset auf Reichtum zu konditionieren, lese öfter im Jahr in dieses Buch rein.

Ein weiteres Buch, welches Ähnliches anspricht, ist die „Psychologie des Geldes“ von Morgan Housel. Er berichtet souverän, wie das menschliche Gehirn aufgrund von psychologischen Denkfehlern finanzielle Fehlentscheidungen trifft. Dieses Buch hat mir für viele Geldentscheidungen neue Perspektiven gegeben.

Das dritte Buch stammt aus meiner eigenen Feder, die Akademiker Fibel. Als ich mich im Berufseinstieg mit meinen Finanzen rumschlagen musste, fehlte mir das Buch, welches auf meine persönliche Situation zugeschnitten war. Mit der Akademiker Fibel habe ich deshalb ein Buch geschrieben, welches Akademikern im Berufseinstieg unterstützt, ihre Finanzen aufzustellen und Sicherheit für das Thema zu bekommen.

Vielen Dank für das Interview, Alexia.

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