Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Finanzbloggerin

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Nadine auf Teneriffa

Dass ich einmal Finanzbloggerin werden würde, war so nicht unbedingt abzusehen: ich kann nämlich mich nicht erinnern, dass ich „schon immer“ etwas bestimmtes werden wollte als Kind. Zurückblickend betrachtet läßt sich dann doch ein Weg erkennen und gleich nehme ich euch mit auf eine Reise durch meine Vergangenheit und zeige euch, welche Stationen und Erlebnisse letztendlich dazu geführt haben, dass es jetzt diesen Blog gibt.

Nadine mit 17: Ich werde ausgezogen

Ich bin 17, etwas mehr als ein Jahr vom Abi entfernt, als meine Mutter plötzlich verkündet, dass sie nach München ziehen wird – und zwar nicht irgendwann, sondern innerhalb der nächsten vier Wochen.

Während meine Klassenkameraden ihrem “normalen” Leben von 17-jährigen kurz vorm Abi nachgehen und von ihren Eltern genervt sind, bekommt Geld plötzlich für mich eine wichtige Bedeutung. Ich muss mich von jetzt auf gleich damit auseinandersetzen, wie man Rechnungen für eine Wohnung bezahlt, Strom und Telefon anmeldet und was man eben sonst noch so braucht, um sein Leben in einem eigenen Haushalt zu bestreiten und finanzieren.

Denn: Ich bin in meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) geblieben, in meinem gewohnten Umfeld, um mein Abi dort zu beenden. Ich suche also mir einen Nebenjob, um zusätzlich Geld zu verdienen, erst im Supermarkt, dann beim Pizzalieferdienst und finanziere mir so u. a. mein erstes eigenes Auto. 

Nadine lachend in einem Zugabteil mit rotem Leder
Das bin ich in jungen Jahren

Nadine mit 19: Ich werde Banker

Nachdem ich nicht wirklich die Wahl hatte, wie lange ich zuhause wohnen will, war mir wichtig, nach der Schule möglichst schnell eigenes Geld zu verdienen und davon am besten so viel wie möglich. Die Ausbildung in einer Bank hörte sich spannend an und war außerdem recht gut bezahlt, also war das mein Fokus bei den Bewerbungen für eine Ausbildung.

Ich zog nach Berlin, nachdem ich dort eine Zusage bekommen hatte und mietete eine Wohnung, die am Anfang fast leer war und nur eine Ofenheizung hatte. Die Miete war so unschlagbar günstig und ich konnte mir sogar zwei Zimmer leisten.

Trotzdem war die Wohnung ziemlich leer und um sie einzurichten, mussten Kredite und Ratenzahlungen her, um die Möbel zu bezahlen. Die Verschuldung beginnt…

Nadine mit 23: Jetzt studiert sie auch noch

Obwohl ich eigentlich nie studieren wollte, wurde mir während der Ausbildung schnell klar, dass ich nicht Zeit meines Lebens in einer Bankfiliale als Kundenbetreuerin arbeiten möchte. Ich empfand die Bank als sehr hierarchisch, und obwohl ich bei einer Volksbank gearbeitet habe, die damals noch nicht so wirklich vertriebslastig war, fingen die ersten Tendenzen bereits an, dass Verkaufszahlen und Provisionen für bestimmte Produkte wichtiger waren als das, was zum Kunden passte.

Meine Lösung für mehr Mitspracherecht im Job: Ich studiere BWL und mache danach einen Job, bei dem ich mitentscheiden kann. Da ich schon während der Ausbildung wusste, dass ich später studieren möchte, habe ich meine Kosten nach der Ausbildung bewusst niedrig gehalten.

Ich habe am Ende etwa ein Jahr nach der Ausbildung in Vollzeit in der Bank gearbeitet, dann auf Teilzeit reduziert und angefangen zu studieren – so war ich eine “normale” Teilzeit-Bankmitarbeiterin mit einem Bank-Gehalt und tollen Sozialleistungen und konnte mein mein Studium gut finanzieren. Leider habe ich so gut wie nichts davon investiert, sondern das meiste davon direkt wieder ausgegeben.

Nadine mit 26: Down Under, ich komme

Schon in der Schule hatte ich diesen Drang, eine Weile im Ausland zu leben und habe mit einem Auslandsjahr an einer amerikanischen Highschool geliebäugelt. Meine Eltern hätten es mir ermöglicht, aber am Ende hab ich mich nicht getraut.

Nachdem ich nun bereits seit fast 10 Jahren eine eigene Wohnung hatte und immernoch diesen Auslands-Traum, war mir klar, dass es jetzt, im Studium, mit immer noch relativ niedrigen Kosten, eine gute Gelegenheit ist. Weil: wenn ich dann nach dem Studium erstmal wieder voll im Job bin, geht es zwar immernoch, aber es wird immer schwerer, alles hinter sich zu lassen. 

Durch Zufall finden mein damaliger Freund und ich ein paar Wochen vor meiner geplanten Abreise nach Australien eine Wohnung, wo man für ein Jahr nur die Nebenkosten und keine Miete zahlen muss, also ziehen wir kurzerhand auch noch „mal eben“ schnell um. So konnte mein Freund während meines Auslandssemesters alleine in der Wohnung wohnen und ich keine doppelte Miete während dieser Zeit.

Meine Bank war gerade in einer Krise, und es gab einen Sozialplan, bei dem ich unkompliziert ein paar Monate unbezahlten Urlaub nehmen konnte und dann nach meiner Rückkehr meinen Job wieder antreten konnte. Bezahlt werden musste das Auslandssemester in Australien aber trotzdem.

Zum Glück bekam ich Auslandsbafög, das u. a. die Studiengebühren an der australischen Universität und die Flugkosten übernahm, aber das Bafög reichte natürlich nicht aus, um alle Ausgaben vor Ort zu bezahlen. Also löste ich meinen Investment-Fonds auf, in den 7 Jahren lang meine vermögenswirksamen Leistungen geflossen waren.

Als ich nach sechs Monaten wieder nach Deutschland zurückkam, hatte ich eine unvergessliche Erfahrung gemacht, aber auch so ziemlich alles an Erspartem ausgegeben, was ich davor hatte. Ich war außerdem ziemlich tief im Dispo und das auch noch für eine sehr, sehr lange Zeit…

Nadine hockt neben 2 Känguruhs, eines steht, das andere liegt auf dem Boden, im Hintergrund sieht man weitere Känguruhs und Bäume und Wiese
Must see in Australien: Känguruhs, eines der beiden australischen Wappentiere

Nadine mit 35: Ich befreie mich von ungesunden Geld-Glaubenssätzen

Man sollte denken, wenn man eine Bankausbildung gemacht und anschließend BWL studiert hat, kann man gut mit Geld umgehen, aber weit gefehlt. Darum geht es in der Ausbildung und im Studium überhaupt nicht.

Also musste ich mir nach Jahren mit ausgereiztem Dispo mühsam selbst erarbeiten, was gesunde Geld-Glaubenssätze sind und wie man mit seinem Geld umgeht. Ich wußte nicht viel über die Zusammenhänge, ich wusste nur, dass es mich unglücklich und unzufrieden machte, dauernd im Dispo zu sein und außerdem permanent irgendwelche Ratenkredite abzubezahlen, weil ich kein Erspartes hatte, wovon ich mir größere Anschaffungen hätte kaufen können. 

Also fing ich an, über meine Glaubenssätze in Sachen Geld nachzudenken und Artikel darüber zu lesen, wie man mit seinem Geld umgeht, was ein Kredit und ein überzogenes Konto mit der Psyche machen.

Ich fing ich an, keine neuen Kredite mehr aufzunehmen und meinen Dispo auszugleichen und brachte mein mitunter impulsives Shopping-Verhalten unter Kontrolle. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann hatte ich keine Schulden mehr, das war wirklich eine Befreiung! 

Ich sitze auf einer Mauer und blicke auf Palmen und das Meer in der Nähe von Lissabon, Portugal
Kurzurlaub in Lissabon, Portugal

Nadine mit 39: Ich kaufe eine Wohnung, fast ohne Eigenkapital

Berlin im Jahr 2017: Die Wohnungspreise und die Zahlen der Neu-Berliner steigen seit Jahren, man liest fast wöchentlich in den Nachrichten von Wohnungsbesichtigungen mit mehreren hundert Bewerbern, besonders in beliebten Gegenden. Ich habe einen tollen Vermieter, der in 5 Jahren nicht einmal die Miete erhöht hatte und sich um sein Objekt und seine Mieter kümmerte, aber ich wollte in “mein eigenes Stück Berlin” – eine Wohnung in meinem Lieblings-Stadtteil Schöneberg.

Da ich zu dem Zeitpunkt nur wenig Eigenkapital angespart hatte, hatte ich nicht unbedingt vor, gleich die erste Wohnung zu kaufen, die ich mir anschaue. Aber wie es der Zufall so wollte: Die besagte Wohnung war in meiner gewünschten Gegend, schön hell, hatte noch die originalen Holzdielen und hatte für damalige Verhältnisse auch einen akzeptablen Preis.

Ich hab mir also nach der Wohnungsbesichtigung schnell überlegen müssen, wie ich das finanziert bekomme. Dank jahrelang geführtem Haushaltsbuch hatte ich einen guten Überblick über meine Finanzen und wußte, wieviel „Wohnung“ ich mir leisten kann. Nachdem ich den Finanzierungsvorschlag der Interhyp in mehreren Schritten auf meine Bedürfnisse angepasst hatte, habe ich im Juli 2017, drei Monate nach Besichtigung der Wohnung, den Kaufvertrag für meine Eigentumswohnung unterschrieben, bin einen Monat später eingezogen und auch heute noch glücklich mit meiner Entscheidung. 

Man sieht eine Menge gestapelte Umzugskartons in einer Ecke vom Wohnzimmer
Umzug in die neue Wohnung: es gibt viel zu tun!

Nadine mit 40: Ich will Millionärin werden!

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie genau ich darauf gestoßen bin, aber in meinen Überlegungen, wie ich es schaffen kann, nicht bis zum offiziellen Renteneintrittsalter in Vollzeit arbeiten zu müssen, bin ich irgendwann auf die FIRE-Bewegung gestoßen (dabei steht FIRE für “Financially Independent, Retire Early”, also wie man finanziell unabhängig und damit dann früher in Rente gehen kann). Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine nennenswerten Ersparnisse, denn alles Geld, was ich vorher hatte, war in den Kauf der Wohnung und die Bezahlung des Maklers geflossen (immerhin ein fünfstelliger Betrag).

Nächtelang las ich alles an Finanz- und FIRE-Blogs, was ich im Internet finden konnte und für den Sommerurlaub hatte ich mir das Buch “Die Faulbär-Strategie zur Million” in meine Kindl-App geladen. Nun las ich ganz fasziniert, wie man mit Hilfe von ETF mit entsprechend langem Zeithorizont vergleichweise risikoarm an der Börse Millionär werden konnte. Ich war interessiert!

Im August 2018 wurde mein erster ETF-Sparplan ausgeführt. Ich wollte mehr wissen und las immer weiter alles zum Thema, was ich finden konnte. Schließlich stieß auf den Blog Großmutters Sparstrumpf von Christian Thiel und trat in seine Facebook-Gruppe “Kleine Finanzzeitung” ein. 

Das Bild zeigt das Gruppenbild, der Kleinen Finanzzeitung, das den Jahreschart des S&500 über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren in logarhytmischer Skalierung vor weissem Hintergrund zeigt
Die Facebook-Gruppe „Kleine Finanzzeitung“

Nadine mit 41: Ich werde Redaktionsmitglied in der Kleinen Finanzzeitung

Wie ich so bin, wenn mich etwas interessiert, bringe ich mich ein, ich kann einfach nicht anders. Und genau das habe ich in der Facebook-Gruppe “Kleine Finanzzeitung” gemacht: Ich habe Fragen gestellt, aufmerksam mitgelesen, meine Meinung geäußert. Das blieb Christian Thiel als Admin der Gruppe nicht verborgen. Irgendwann kam er auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Redaktionsmitglied der “Kleinen Finanzzeitung” zu werden. Und wie ich das konnte, sehr gern sogar!

Nadine mit 43: Wir gründen den Verein „Kleine Finanzzeitung e.V.“

Immer wieder tauchten in unserer Facebook-Gruppe Stimmen auf, dass Gruppenmitglieder die Informationen in der Gruppe total hilfreich finden und sich gern auch finanziell erkenntlich zeigen würden. Schnell entstand die Idee, einen Verein zu gründen und über die neue Webseite eine übersichtliche Quelle mit unabhängigen Finanzinformationen außerhalb der bestehenden Facebook-Gruppe aufzubauen.

Gesagt, getan: Im September 2020 halten wir die Gründungsversammlung ab und gründen Kleine Finanzzeitung e.V., ich werde zur Finanzvorständin gewählt. 

Nadine mit 44: Ich entdecke, dass ich nur ein paar Jahre von COAST-FIRE entfernt sein könnte

Bis dato hatte ich immer gedacht, das Ziel sei bei FIRE, soviel Geld zu haben, dass man nie wieder arbeiten muss. Viele in der FIRE-Bewegung erreichen das dank gut bezahlter Entwickler-Jobs in Kombination mit Frugalismus irgendwann vor oder in ihren Vierzigern.

Ich bin weder Software-Entwicklerin noch kann ich mich mit extremer Sparsamkeit aka Frugalismus identifizieren. Ich habe durchaus hier und da minimalistische Ansätze, aber ich reise auch wahnsinning gern, am liebsten in ferne Länder. Ich gehe gern auf Konzerte, ins Kino, auf Filmfestivals oder möchte einfach auch mal mit Freunden nett in einer Bar oder einem Restaurant sitzen und quatschen. Und da ich schon knapp Mitte 40 bin und nicht ansatzweise ein sechs- oder siebenstelliges Depot habe, ist auch klar, dass ich FIRE wohl nicht mehr in meinen Vierzigern erreichen werde…. 

Über einen Newsletter entdecke ich schließlich Money Flamingo, einen Blog einer australischen Familie in Sydney, die auch nicht frugal leben möchte, aber trotzdem die finanzielle Freiheit anstrebt. Trotz Familie arbeiten sie nur noch Teilzeit und werden in ein paar Jahren FIRE erreichen.

Ich war sofort fasziniert und habe mir den FIRE-Rechner von der Seite heruntergeladen. Und siehe da: quasi zufällig entdecke ich in einer schlaflosen Nacht, dass ich mit einer entsprechenden Sparrate und etwas Rückenwind an der Börse in ein paar Jahren Coast FIRE erreichen könnte. Und vielleicht sogar noch die Million schaffe, wenn es richtig gut läuft.

Nadine vor der Küste Teneriffas, man sieht Felsen und Wellen, die an die Felsen schlagen, im Hintergrund Gebäude und Berge
Kurzurlaub auf Teneriffa kurz vor dem 44. Geburtstag

Darum soll es hier auf diesem Blog gehen: die Reise zu meiner persönlichen Coast-FIRE-Zahl. Und wer weiss, vielleicht werde ich am Ende sogar doch noch Millionärin…

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