Meine 5 besten Tipps für die ETF-Auswahl

Veröffentlicht am Kategorisiert in Investieren an der Börse

ETF sind Exchange Traded Funds, also eine Form von Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden. Richtig verwendet sind sie in der langfristigen Vermögensanlage ein wunderbares Tool, u.a. weil sie einfach, kostengünstig und vergleichsweise risikoarm passives Investieren an der Börse ermöglichen. Es gibt tausende ETF und manchmal ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. In diesem Artikel findest du meine 5 besten Tipps, um den für dich richtigen ETF auszuwählen.

Ich gehe dabei davon aus, dass dir die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländer bereits bekannt sind. Falls dem nicht so sein sollte, kannst du dir hier und hier gern einen ersten Überblick verschaffen.

Tipp 1: Breit gestreut, nie bereut!

Dieser Ausspruch stammt von „Börsen-Oma“ Beate Sander, einer inzwischen leider verstorbenen Lehrerin, die erst mit 59 zum Investieren an der Börse gekommen ist. Sie hat sich durch eine geschickte Anlagestrategie mit Einzelaktien über die Zeit selbst zur Millionärin gemacht hat. Um Einzelaktien geht es in diesem Artikel nicht, aber ihr Ausspruch „Breit gestreut, nie bereut“ ist ein guter Leitsatz für die ETF-Auswahl.

Die Idee dahinter ist: Je mehr Werte in einem ETF enthalten sind, desto mehr verteilt sich das potentielle Verlustrisiko jedes einzelnen Unternehmens. Deswegen kann man tatsächlich auch mit nur einem ETF bereits ausreichend diversifiziert sein. Um auch wirklich eine ausreichende Streuung/ Diversifikation innerhalb des ETF sicherzustellen, ist es wichtig, nicht (oder eben nur zu einem sehr kleinen Anteil vom Depot) in Branchen-ETF zu investieren.

Weltweit investierende ETF: World- vs. All-World-ETF

Am besten eignen sich weltweit investierende ETF. Beispiele hierfür sind zum Beispiel ETF, die auf dem Index „MSCI World“ basieren. Man könnte denken, in einem ETF der „World“ (= weltweit) heißt, sind alle Länder der Welt enthalten, tatsächlich sind hier aber nur die Industrieländer gemeint. Einer der bekanntesten ETF ist der MSCI World-ETF der Fondsgesellschaft iShares. Der iShares MSCI World UCITS ETF (Dist), WKN: A0HGV0 enthält zum Beispiel um die 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern (Stand: 31.07.2022).

Auch die große Fondsgesellschaft Vanguard bietet weltweit gestreute ETF mit Industrieländern an, sie nutzt jedoch eine anderen Indexanbieter, nämlich FTSE. Die Industrieländer-ETF erkennt man am „Developed World“ im Namen. Der Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF Distributing (WKN: A12CX1) enthält mehr als 2.200 Aktien aus 25 Ländern (Stand: 31.03.2022).

Wenn man zusätzlich zu den Industrieländern auch noch in die Schwellenländer (allen voran China) investieren möchte, muss man nach einem ETF Ausschau halten, der „All World“ im Namen hat. Dann bekommt man Industrieländer plus Schwellenländer.

Es gibt auch separate ETF, die nur Schwellenländer enthalten, die sind in der Regel an „Emerging Markets“ im Namen erkennbar. Weit verbreitet ist dann die Kombination mit einem World-ETF mit verschiedenen Gewichtungen je nach Geschmack. Es werden üblicherweise zwischen 20-30 Prozent Emerging Markets-Anteil empfohlen, ein All World-ETF hat oft um die 10% Schwellenland-Anteil.

Ich selbst habe inzwischen aufgrund der politischen Risiken und des hohen China-Anteils keinen Emerging Markets-ETF mehr im Depot und investiere nur noch in Industrieländer.

Und was ist mit dem DAX?

In den deutschen Medien ist der DAX, also der Deutsche Aktienindex überpräsent und andere Indizes werden (wenn überhaupt) nur am Rande betrachtet. Vielleicht wird hier und da nochmal der Nasdaq 100 oder der Dow Jones erwähnt oder vielleicht hast du auch schonmal vom S&P 500 gehört. Man könnte also aus den Nachrichten den Eindruck bekommen, dass man ein Investment in den DAX doch gut gebrauchen könnte als Anleger.

Wenn man nun also einen Blick darauf wirft, wie sich der Deutsche Aktienindex zusammensetzt, endeckt man schnell, dass in diesem Index und damit auch in entsprechenden ETF nur 40 Unternehmen enthalten sind, und zwar die 40 größten deutschen börsennotierten Unternehmen (und das auch erst seit September 2021, vorher waren es nur 30 Unternehmen).

Wenn man sich im Vergleich dazu die Zahlen zu den weltweit gestreuten ETF anschaut, wird schnell klar, dass das Risiko bei nur 40 Unternehmen deutlich konzentrierter ist als bei 1.500 oder 2.200 Unternehmen in einem ETF.

Ich persönlich würde daher immer breit gestreute ETF vor stark konzentrierten ETF bevorzugen, insbesondere wenn es darum geht, die Basis für die Altersvorsorge oder Finanzielle Freiheit zu schaffen.

Tipp 2: Und es kommt doch auf die Größe an!

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Größe des ETF´s, also die im ETF investierten Beträge. In der Regel wird ein älterer ETF mehr investiertes Geld haben als ein neuerer ETF. Warum ist die Größe so wichtig? Jede Fondsgesellschaft muss am Ende Geld verdienen, so wie jedes Unternehmen. Sie wird daher regelmäßig ihr ETF-Portfolio durchgehen und auf Wirtschaftlichkeit prüfen. Jede Fondsgesellschaft hat ausserdem Fixkosten mit einem ETF, die umso weniger ins Gewicht fallen, je mehr Geld insgesamt im ETF investiert ist.

Es kann daher bei kleineren ETF passieren, dass sie geschlossen werden. Geschlossen werden heisst in dem Fall: Es werden alle Anteile zu einem bestimmten Stichtag verkauft und du bekommst dein Geld zurück, egal wo der ETF kursmäßig gerade steht. Wenn die Börse sich gerade in einer ungünstigen Börsenphase befindet, kann es also sein, dass du gezwungen wirst, einen Verlust zu realisieren. Im besten Fall hast du Glück und machst Gewinn, musst dann aber ggf. auch noch Kapitalertragssteuer auf deine erzielten Kursgewinne zahlen.

Es könnte auch sein, dass ein ETF mit einem anderen ETF mit einem anderen ETF zusammengelegt wird und sich so der Anlageschwerpunkt verändert. Je nachdem, wie groß die Veränderung ist, kann es also sein, dass du nun dein Geld in einem ETF hast, in den du so gar nicht investieren wolltest.

So oder so sind beide Fälle ärgerlich und lassen sich vermeiden, indem man nur in größerere ETF mit viel investiertem Kapital investiert. Ich habe als Richtgröße dazu mal einen Mindestbetrag von 500 Millionen Euro (gleicher Betrag in USD geht auch) gelesen.

Tipp 3: Replizierende oder synthetische ETF? Nicht überall, wo Aktien drauf steht, sind auch Aktien drin!

Ich empfehle, sich auch unbedingt mit den verschiedenen sog. Replikationsmethoden von ETF auseinanderzusetzen. Es gibt drei Methoden:

  • physisch (vollständig) replizierend
  • physisch (optimiertes Sampling)
  • synthetisch.

Was heisst das nun? Wenn ein ETF physisch repliziert bedeutet das, dass die Fondgesellschaft tatsächlich die im jeweiligen Index enthaltenen Unternehmen bzw. deren Aktien kauft.

Bei der vollständigen physischen Replikation werden alle im Index enthaltenen Aktien für den ETF gekauft. Das ist eher bei kleineren Indizes, wie z.B. dem DAX üblich.

Beim optimierten physischen Sampling dagegen trifft die Fondsgesellschaft eine Auswahl der im Index enthaltenen Unternehmen und wird ggf. darauf verzichten, die Aktien von ganz kleinen Unternehmen für den ETF zu erwerben. So spart der ETF-Anbieter Kosten. Trotzdem ist das Ziel, immer möglichst nah am Index zu bleiben mit der Performance. In jedem Fall kann ich mir aber sicher sein, dass tatsächlich Aktien in meinem ETF enthalten sind.

Bei synthetischen ETF ist genau das nicht der Fall: Es werden keine Aktien für den ETF gekauft, sondern die Fondsgesellschaft bildet den Index mit sog. Swaps ab. Swaps (Swap = Tausch) gehören zu den Finanzderivaten. Die Fondsgesellschaft wendet sich hierfür an einen Dritten, der dann wiederum die Performance des gewünschten Index garantiert. Es besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, auf einen Teil seiner Rendite verzichten zu müssen, wenn der Swap-Partner der Fondsgesellschaft pleite geht. Wer mehr zu Swaps erfahren möchte, kann hier gern weiterlesen.

Ich für meinen Teil habe trotz mehrfacher Anläufe und abgeschlossener Bankausbildung bis heute nicht richtig verstanden, wie Swaps funktionieren. Ich lasse daher einfach die Finger davon und investiere ausschließlich in physisch replizierende ETF, die tatsächlich Aktien kaufen. Wer in synthetische ETF investieren möchte, darf das natürlich jederzeit gern tun, ich würde jedoch dazu raten, sich selbst zu fragen, ob man versteht, welches Konstrukt man erwirbt.

Tipp 4: Ausschüttend oder thesaurierend? Das kommt ganz darauf an….

In diesem Tipp geht es darum, wie die Fondsgesellschaft mit den anfallenden Dividenden umgeht, die börsennotierten Unternehmen ausschütten, um ihre Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen.

Bei ausschüttenden ETF kommt dieser Betrag – wie der Name schon sagt – beim ETF-Käufer an und wird regelmäßig an den Anleger ausgeschüttet, das kann monatlich, quartalsweise oder auch jährlich sein. Der Anleger kann bei ausschüttende ETF also selbst entscheiden, was er mit diesem Geld machen möchte.

Bei thesaurierenden ETF besteht keine Wahlmöglichkeit. Wenn die Fondsgesellschaften von den Unternehmen Dividenden überwiesen bekommt, behält sie diese und der Wert deines ETF erhöht sich dadurch automatisch, ohne dass du etwas tun musst.

Bei den steuerlichen Aspekten einer ETF-Anlage ist nicht ganz unwichtig, welche Ausschüttungsart man wählt. Ich bin kein Steuerberater, aber wenn man darüber nachdenkt, in thesaurierende ETF zu investieren, sollte man sich unbedingt mit der sog. Vorabpauschale beschäftigen. Bei ausschüttenden ETF stellt sich die Frage nicht, weil hier die Steuern direkt von den Ausschüttungen abgezogen werden. Weil es bei thesaurienden ETF keine Ausschüttungen an den Anleger gibt, wurde die Vorabpauschale eingeführt. Die Höhe hängt vom Basiszins und der erzielten Rendite ab. Es kann daher je nach Zinsniveau sein, dass man als Anleger die Vorabpauschale zusätzlich und separat bezahlen muss. Man muss also ggf. sorgen, dass extra Geld vorhanden ist, um die Vorabpauschale zu bezahlen.

Man kann die Thesaurierung (also die Wiederanlage) der Ausschüttungen natürlich auch leicht selbst nachahmen, indem man die Ausschüttung seines ausschüttenden ETF selbst wieder in den gleichen ETF anlegt. Solange man in der Ansparphase ist, sollte man auch genau das tun. Man sollte sich bewusst sein, dass dann natürlich immer ein paar Tage Verzögerung eintreten werden und so ein Renditeverlust im Vergleich zu einem thesaurierenden ETF entstehen könnte.

Ich persönlich bevorzuge ausschüttende ETF. So muss ich mir um die Vorabpauschale keine Gedanken machen. Außerdem freue ich mich jedes Mal, wenn auf meinem Verrechnungskonto Geld eingeht, für das ich nicht arbeiten musste. Da ich sowieso regelmäßig in mein Depot gucke, ist es für mich auch schnell gemacht, den nächsten Sparplan kurz zu erhöhen und so die Ausschüttung wieder zu reinvestieren.

Kurzum: beim Thema Ausschüttungsart kommt es ganz auf deine persönliche Vorliebe an!

Tipp 5: KISS! Manchmal ist weniger mehr…

KISS, also Keep it short and simple (was in etwa: „Halte es kurz und einfach“ bedeutet) ist ein guter Ratgeber, wenn man sich mit der ETF-Auswahl beschäftigt. Ich habe Depots gesehen, in denen 8 oder mehr ETF enthalten waren. Kann man machen, wenn man unbedingt will, aber wie schon in Tipp 1 erwähnt: im Grunde reicht auch ein einzelner ETF, weil der alleine schon mehr als 1.500 oder 2.200 Unternehmen enthalten kann.

Wenn ich nun 2 oder mehr ETF kombinieren will, muss ich mir auch automatisch Gedanken darüber machen, wie ich jeden einzelnen ETF in meinem Depot gewichten möchte. Dazu kommt weiterhin, dass man dann beim regelmäßigen Rebalancing auch darauf achten muss, das gewünschte Verhältnis zwischen den ETF wieder herzustellen. Es kann außerdem zu Überschneidungen und damit zu ungewollten Konzentrationen einzelner Unternhmen im Depot kommen, je nachdem wie man seine ETF auswählt. In den in Tipp 1 genannten World-ETF sind zum Beispiel Unternehmen aus den USA recht hoch gewichtet. Man sollte sich also gut überlegen, ob man einen weiteren ETF auswählt, in dem das ebenfalls der Fall ist.

Mein Fazit

Welchen ETF man am Ende in sein Depot aufnimmt, muss jeder selbst nach seinen eigenen Kriterien und Vorlieben entscheiden. Solange eine ausreichende Streuung, eine entsprechende ETF-Größe und eine kleine Anzahl an ETF im Depot sichergestellt ist, macht man schon eine ganze Menge richtig. Jeder darf in seinem Depot machen, was er gern mag, ich würde jedoch dazu raten, genau zu überlegen, warum man sich für oder gegen ein Feature entscheidet.

Ich persönlich investiere bevorzugt in große, breit gestreute, ausschüttende ETF, die physisch replizieren. Diese großen, breit gestreuten ETF werden mitunter auch „Brot- und Butter-ETF“ genannt, die bewusst die Basis meines Depots bilden und mir so kostengünstig die Marktrendite garantieren.

In den meisten Fällen sind die „Brot- und Butter-ETF“ auch günstiger als kleinere Nischen-, Branchen oder Länder-ETF. Und meiner Meinung nach hilft mir jeder Euro, der nicht an die Fondsgesellschaft geht, früher die Finanzielle Freiheit bzw. meine Coast FIRE-Zahl zu erreichen.

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